Profane Gedanken

Profane Gedanken

Profan. Irgendwie so ein leeres Wort, abwertend. Erinnert mich an Fan. Vielleicht „für“ einen Fan sein, aus dem Lateinischen „pro“ Fan? Nein, auch nicht so wirklich. Leer, abweisend und doch zu-gleich bedeutungsschwanger. Doch mit was genau? Irgendwie ist alles profan; zumindest scheint es so. Blume, Bett, Teekanne, Klo – ja, ganz besonders der Kleiderschrank muss doch profan sein. Oder vielleicht nicht? Können Emotionen profan sein? Lachen, weinen, ängstlich sein? Ich weiß es nicht. Oder vielleicht doch?
Wenn ich an profan denke, ist es wohl zuerst einmal ein geflügeltes Wort: die Medien nutzen es gerne, bezeichnen Unterhaltungen, menschliche Leistungen und sogar Tankstellen mit diesem Adjektiv. Oft sehe ich es geschrieben, doch so richtig habe ich wohl nie darüber nachgedacht: profan.
Das Wort klingt klug, wenn ich es nutze, ich bin schon fast stolz, wenn es sich in einem Gespräch unter Freunden oder Kollegen einbauen lässt. Profan lässt uns besser aussehen, besser vielleicht als das Wort selber aussieht.

„Vor dem heiligen Bezirk liegend“, außerhalb von etwas stehen: profan sein. Klar, klingt wie etwas, das man ausgeschlossen hat, etwas, das man nicht haben will, etwas, das außerhalb von einer Sache liegt, die einem lieb und teuer ist.

Der Baum vor meinem Haus wirft im Abendlicht sanfte Schatten an die Wand. Er steht draußen, ich sitze drinnen. Ob ich ihn aus-geschlossen habe? Wohl kaum – und doch wäre die wörtliche Erklärung von profan vielleicht passend. Wenn ich mir das beruhigende Flirren so ansehe, möchte ich mir nichts Negatives vorstellen. Warum aber nutze ich das Wort, wenn mir etwas unbedeutend erscheint – fast wie eine Entschuldigung oder doch wie eine Beleidigung. Ich kann es nicht sagen.

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Was bedeutet für dich profan?

Mit dieser Frage bin ich während meines Schaffensprozess an verschiedene Menschen herangetreten und bat sie diese Gedanken in maximal einer halben Seite vorzustellen. Vorgaben bekamen sie weiter keine. Meine Autor*innen waren also im Inhalt und der Textart völlig frei, so erhoffte ich mir die größte Vielzahl an Eindrücken und Herangehensweisen.

13 Texte verschiedenster Art und Gattung kamen so zusammen – und diese Reihe soll weitergeführt werden. Sie haben eine Meinung, einen Gedanken zum Stichwort profan? Schicken Sie mir diesen doch gerne zu.

Um die Gedankenfreiheit zu erhalten und Klischees und Schubladen mal zum Schweigen zu zwingen, sind an den Texten keine Namen oder gar Titel, Berufe, Haltung zum Glauben abgedruckt. Stattdessen findet sich nur eine Chiffre-Nummer, die am Ende des Buches aufgelöst wird.

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